Blastozystenkultur
Was ist eine Blastozyste?
Eine Blastozyste ist ein Embryo in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium, das etwa fünf Tage nach der Befruchtung erreicht wird. In dieser Phase hat sich der Embryo zu einer kleinen, mit Flüssigkeit gefüllten Zellkugel entwickelt, die bereits eine klar erkennbare innere Struktur aufweist.
Dieses Entwicklungsstadium ist auch aus biologischer Sicht bedeutsam: Im natürlichen Zyklus erreicht der Embryo ungefähr am fünften Tag nach der Befruchtung die Gebärmutter. Der Blastozystentransfer orientiert sich damit enger am natürlichen Ablauf als ein früherer Embryotransfer.
Nicht jede befruchtete Eizelle entwickelt sich bis zu diesem Stadium weiter. Dass ein Embryo das Blastozystenstadium erreicht, gilt als Hinweis auf eine stabile Entwicklung und ein höheres Einnistungspotenzial. Genau diese Information macht die Blastozystenkultur zu einem wichtigen Instrument innerhalb der modernen Kinderwunschbehandlung.
Was bedeutet Blastozystenkultur?
Die Blastozystenkultur beschreibt die Kultivierung befruchteter Eizellen im Labor über einen Zeitraum von fünf Tagen. In dieser Zeit beobachtet das Laborteam die Embryonalentwicklung sehr genau. Ziel ist es, jene Embryonen zu identifizieren, die sich stabil weiterentwickeln und das Blastozystenstadium erreichen.
In der Praxis zeigt sich, dass sich von mehreren befruchteten Eizellen meist nur ein Drittel bis zum fünften Tag weiterentwickeln. Embryonen, die ihre Entwicklung vorzeitig einstellen, weisen sehr häufig genetische Auffälligkeiten auf und können sich deswegen nicht einnisten. Der Embryo, der sich hingegen bis zur Blastozyste entwickelt, besitzt statistisch das bessere Entwicklungspotenzial und die größere Chance auf eine Einnistung und eine gesunde Schwangerschaft.
Im Vergleich zu kürzerer Kultur und frühem Embryotransfer (z. B. an Tag 2 oder 3) erlaubt die Blastozystenkultur somit eine gezieltere Identifikation des “besten” Embryos für den Transfer an Tag 5.
Ein Blastozystentransfer wird in der Kinderwunschpraxis München Nord dann durchgeführt, wenn bestimmte medizinische Voraussetzungen erfüllt sind. Entscheidend ist, dass nach der Befruchtung eine ausreichende Anzahl befruchteter Eizellen vorliegt, sodass eine Kultivierung über mehrere Tage sinnvoll ist.
Ebenso wichtig ist eine gute Embryonalentwicklung in den ersten Tagen nach der Befruchtung. In diesem Fall bietet die Blastozystenkultur die Möglichkeit, den Embryo mit dem besten Entwicklungspotenzial für den Transfer auszuwählen.
Embryokultur & Auswahl der Blastozyste
Die Blastozystenkultur kann sowohl im Frischzyklus (nach Eizellentnahme und Befruchtung) als auch im Auftauzyklus (nach Auftau von befruchteten und im Rahmen eines früheren Behandlungszyklus kryokonservierten Eizellen) zur Anwendung kommen.
Im Rahmen der Blastozystenkultur werden die befruchteten Eizellen über mehrere Tage im Brutschrank des embryologischen Labors kultiviert und in ihrer Entwicklung beobachtet. Dies ermöglicht es dem Laborteam, den Entwicklungsverlauf zu beurteilen und Unterschiede zwischen den einzelnen Embryonen sichtbar zu machen.
Während der Kultivierung zeigen sich häufig klare Entwicklungsunterschiede. Embryonen, die ihre Entwicklung bis zum fünften Tag fortsetzen und das Blastozystenstadium erreichen, gelten als stabiler und entwicklungsfähiger. Auf Grundlage festgelegter morphologischer Kriterien wird anschließend die Blastozyste identifiziert, die die besten Voraussetzungen für eine Einnistung bietet.
Erst im Anschluss an diese Auswahl erfolgt der eigentliche Transfer in die Gebärmutter. Diese Maßnahme entspricht einer gynäkologischen Untersuchung, ist in der Regel schmerzarm und kommt ohne Narkose aus. Durch die vorgelagerte Blastozystenkultur kann der Transfer gezielter erfolgen und das Mehrlingsrisiko reduziert werden, da bewusst nur ein Embryo übertragen wird.
Vorteile des Blastozystentransfers
Der Blastozystentransfer (Tag 5 Transfer) bietet mehrere medizinische Vorteile, insbesondere durch die vorangegangene Blastozystenkultur. Ein zentraler Punkt ist die bessere Einschätzung der Entwicklungsfähigkeit des Embryos.
Durch die Übertragung einer einzelnen Blastozyste mit guter Prognose lässt sich das Mehrlingsrisiko deutlich reduzieren: von knapp 30 % auf 1,5 %. Mehrlingsschwangerschaften sind mit deutlich höheren gesundheitlichen Risiken für Mutter und Kind verbunden als Einlingsschwangerschaften. Der konsequente Single-Embryo-Transfer stellt daher einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit der Behandlung dar, ohne die Erfolgsaussichten wesentlich zu beeinträchtigen.
Darüber hinaus ist der Blastozystentransfer physiologisch näher am natürlichen Ablauf als ein früher Embryotransfer. Im natürlichen Zyklus erreicht der Embryo die Gebärmutter ebenfalls etwa am fünften Tag nach der Befruchtung. Dieses zeitliche Zusammenspiel kann die Einnistung begünstigen, ist jedoch, wie alle Faktoren in der Reproduktionsmedizin, kein Garant für eine Schwangerschaft.
Grenzen & Risiken
Trotz der Vorteile der Blastozystenkultur und des Blastozystentransfers ist eine realistische Einordnung der Grenzen wichtig. Nicht alle Embryonen erreichen das Blastozystenstadium. Es kann daher vorkommen, dass sich keiner der kultivierten Embryonen bis zum fünften Tag weiterentwickelt und kein Transfer möglich ist. Diese Situation ist enttäuschend und emotional, weshalb wir großen Wert darauf legen, in der Beratung die Chancen, Risiken, Alternativen und Plan-B-Optionen genau zu beleuchten.
Auch ein Blastozystentransfer bietet keine Garantie für eine Einnistung oder eine Schwangerschaft. Auch Embryonen mit guter Entwicklung bis zum Tag 5 können genetisch nicht gesund sein und sich deswegen nicht einnisten oder im Frühabort enden. Die Blastozystenkultur verbessert die Chancen, den “besten” Embryo zu identifizieren, kann jedoch nicht die biologischen Gegebenheiten des einzelnen Embryos verändern oder verbessern.
Neben den medizinischen Aspekten spielen auch die Emotionen eine Rolle. Das Warten auf die Entwicklung bis Tag 5 und die Unsicherheit, ob ein Transfer stattfinden kann, erfordert eine gute Begleitung. Deshalb ist uns in der Kinderwunschpraxis München Nord eine transparente Aufklärung und eine empathische Betreuung während des gesamten Prozesses wichtig.
Erfolgsaussichten
Die Erfolgsaussichten eines Blastozystentransfers hängen von mehreren individuellen Faktoren ab. Eine zentrale Rolle spielt das Alter der Frau bei der Eizellentnahme, da dieses maßgeblich die Qualität der Eizellen und damit auch die Entwicklung der Embryonen beeinflusst. Ebenso wichtig sind die Qualität der Blastozyste sowie die persönlichen medizinischen Voraussetzungen.
Auch wenn die Blastozystenkultur die Auswahl eines entwicklungsfähigen Embryos verbessert, ist der Erfolg pro Transfer begrenzt und wesentlich vom Alter der Eizellen abhängig. Nicht in jeder Situation führt ein Blastozystentransfer zu höheren Schwangerschaftsraten als ein früherer Embryotransfer. Der mögliche Vorteil muss daher immer individuell abgewogen werden.
In der Beratung ist uns eine ehrliche und realistische Einordnung besonders wichtig. Die Blastozystenkultur kann die Chancen optimieren, sie garantiert jedoch keine Schwangerschaft. Gemeinsam besprechen wir, welche Erfolgsaussichten in Ihrer persönlichen Situation realistisch sind und welches Vorgehen medizinisch sinnvoll erscheint.
Kombination mit Kryokonservierung
Für den Fall, dass im Rahmen der Blastozystenkultur mehr Blastozysten entstehen als erwartet, sind diese nicht für den direkten Transfer vorgesehen und können kryokonserviert werden. Dadurch gehen keine Embryos mit gutem Entwicklungspotential verloren, und es besteht die Möglichkeit, zu einem späteren Zeitpunkt einen weiteren Behandlungsversuch durchzuführen.
Individuelle Beratung zu Blastozystenkultur & Blastozystentransfer
Ob eine Blastozystenkultur und ein anschließender Blastozystentransfer für Sie sinnvoll sind, entscheiden wir in der Kinderwunschpraxis München Nord immer individuell. Grundlage sind Ihre persönlichen medizinischen Voraussetzungen, die Ergebnisse der bisherigen Behandlungen sowie Ihre Wünsche und Erwartungen.
In einem ausführlichen Beratungsgespräch erklären wir Ihnen verständlich die Chancen, Grenzen und möglichen Alternativen. Ziel ist es, gemeinsam eine fundierte Entscheidung zu treffen, die medizinisch begründet ist und zu Ihrer Situation passt.
Wir begleiten Sie auf Ihrer Kinderwunschreise transparent, empathisch und mit der nötigen Zeit für Ihre Fragen.
