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Autor:in des Artikels:

Dr. med. Judith Rattenhuber

Ein Kinderwunsch kann viele Fragen aufwerfen. Wenn eine Endometriose-Diagnose vorliegt, sind viele Frauen besonders verunsichert. Doch die gute Nachricht lautet: Auch mit Endometriose ist eine Schwangerschaft möglich. Die Diagnose allein sagt wenig darüber aus, wie es um die persönliche Fruchtbarkeit steht. Zudem verläuft die Erkrankung bei jeder Frau anders. Endometriose kann die Fruchtbarkeit beeinflussen. Wie stark das der Fall ist, lässt sich allerdings nicht pauschal sagen.

Entscheidend ist deshalb der individuelle Blick: Welche Faktoren können Ihren Weg zur Schwangerschaft beeinflussen? Und welcher nächste Schritt ist in Ihrer persönlichen Situation sinnvoll? In der Kinderwunschpraxis München Nord betrachten wir nicht nur die Diagnose, sondern Ihren individuellen Befund und Ihre persönliche Situation.

Was ist Endometriose und wie entsteht sie?

Bei einer Endometriose wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutterhöhle. Typische Stellen sind das Bauchfell des kleinen Beckens, die Eierstöcke und die Haltebänder der Gebärmutter. In ausgeprägten Fällen sind auch Blase oder Darm betroffen. Sitzt das Gewebe in der Muskelschicht der Gebärmutterwand, spricht man von einer Adenomyose.

Endometrioseherde sind hormonabhängig. Sie reagieren auf die Östrogenschwankungen des Zyklus ähnlich wie die Gebärmutterschleimhaut: Sie bauen sich auf und bluten zyklisch ein. Dieses Blut kann jedoch nicht abfließen. Das umliegende Gewebe reagiert darauf über die Jahre mit Entzündungen, Narben und Verwachsungen. Das erklärt die teilweise starken Schmerzen ebenso wie die anatomischen Veränderungen im Becken.

Wie Endometriose entsteht, ist nicht abschließend geklärt. Diskutiert wird vor allem, dass Menstruationsblut über die Eileiter in den Bauchraum gelangt. Warum sich daraus nur bei einem Teil der Frauen Endometrioseherde bilden, ist offen. Genetische und immunologische Faktoren spielen vermutlich eine Rolle.

Die Beschwerden reichen von sehr starken Periodenschmerzen über chronische Bauchschmerzen bis zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Stuhlgang oder beim Wasserlassen. Manche Frauen haben jedoch kaum Beschwerden. Bei ihnen fällt die Endometriose erst auf, wenn ein unerfüllter Kinderwunsch abgeklärt wird.

Kann man mit Endometriose schwanger werden?

Ja, eine Schwangerschaft ist durchaus trotz Endometriose möglich. Bis zu jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter ist von Endometriose betroffen. Bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch wird sie deutlich häufiger festgestellt als in der Allgemeinbevölkerung. Schätzungen gehen davon aus, dass es bei rund einem Drittel bis zur Hälfte der Betroffenen länger dauert, schwanger zu werden.

Gleichzeitig bedeutet das: Ein großer Teil der Frauen mit Endometriose wird schwanger, viele davon ohne Behandlung. Auch viele Patientinnen der Kinderwunschpraxis München Nord sind mit Endometriose schwanger geworden, auf natürlichem Weg oder nach einer Kinderwunschbehandlung. Die Verläufe sind allerdings so unterschiedlich, dass sich daraus keine Prognose für den Einzelfall ableiten lässt.

Endometriose wird in verschiedene Stadien eingeteilt. Diese beschreiben, wie weit sich die Herde im Bauchraum ausgebreitet haben. Sie erlauben keine verlässliche Aussage über die Fruchtbarkeit. Es gibt Frauen mit ausgedehnten Befunden, die auf natürlichem Weg schwanger werden. Entscheidend ist die Gesamtsituation aus Eileitern, Eierstöcken, Zyklus, Alter der Frau und dem Befund des Partners.

Wie kann Endometriose die Fruchtbarkeit beeinflussen?

Endometriose kann die Fruchtbarkeit auf mehreren Wegen beeinflussen. Welche davon im Einzelfall eine Rolle spielen, ist unterschiedlich.

Verwachsungen und Veränderungen im Becken

Durch das wiederholte Einbluten der Herde können über die Jahre Verwachsungen entstehen. Sie verbinden zum Beispiel Eierstöcke, Eileiter, Gebärmutter und Darm miteinander und schränken deren Beweglichkeit ein. Das betrifft vor allem die Eileiter.

Für eine Schwangerschaft auf natürlichem Wege sind zwei Faktoren der Eileiter entscheidend:

  • Durchgängigkeit: Der Eileiter muss offen sein, damit Eizelle und Spermien zueinanderfinden können.
  • Transportfunktion: Nach dem Eisprung fängt das trichterförmige Ende des Eileiters die Eizelle auf. Im äußeren Abschnitt des Eileiters findet die Befruchtung statt. Anschließend transportieren feine Flimmerhärchen die befruchtete Eizelle durch den Eileiter bis in die Gebärmutter.

Verwachsungen können beides beeinträchtigen. Die Durchgängigkeit der Eileiter lässt sich untersuchen, die Transportfähigkeit jedoch nicht. Ein durchgängiger Eileiter ist deshalb nicht automatisch voll funktionsfähig.

Endometriose an den Eierstöcken

Sitzen Herde am Eierstock, können sich Endometriosezysten bilden, sogenannte Endometriome. Sie füllen sich mit eingedicktem Blut und wachsen meist langsam. Eine solche Zyste kann das umliegende Eierstockgewebe verdrängen und auf Dauer schädigen. Dadurch kann die Eierzellreserve sinken, also die Zahl der noch vorhandenen Eizellen. Das muss aber nicht so sein.

Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

Viele Frauen mit Endometriose haben Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, insbesondere bei tief sitzenden Herden. Dieses Thema wird selten angesprochen, ist für den Kinderwunsch aber wichtig: Wenn Sex wehtut, findet er seltener statt, oft genau an den fruchtbaren Tagen.

Adenomyose

Die Adenomyose ist ein eigenständiges Krankheitsbild, tritt aber häufig gemeinsam mit einer Endometriose auf. Typische Hinweise sind starke, schmerzhafte und verlängerte Regelblutungen sowie eine vergrößerte Gebärmutter im Ultraschall. Für den Kinderwunsch ist Adenomyose relevant, weil die veränderte Gebärmutterwand die Einnistung erschweren kann.

Die Datenlage dazu ist dünner als bei der Endometriose. Eigene internationale Empfehlungen sind erst in Entwicklung. Operativ lässt sich eine Adenomyose nur begrenzt erkennen und kaum behandeln. Im Vordergrund stehen deshalb eine genaue Diagnostik und eine darauf abgestimmte Planung. Erkennbar ist eine Adenomyose meist im spezialisierten Ultraschall, ggf. auch im MRT.

Welche Faktoren beeinflussen die individuellen Chancen auf eine Schwangerschaft?

Wie gut die Chancen auf eine Schwangerschaft stehen, lässt sich bei Endometriose nicht pauschal beantworten. Es kommt auf das Zusammenspiel verschiedener Faktoren an:

  • Alter: der stärkste Einzelfaktor, unabhängig von der Endometriose
  • Die Dauer des Kinderwunsches: Je länger eine Schwangerschaft ausbleibt, desto eher lohnt sich eine Abklärung.
  • Ausprägung und Lage der Herde: Nicht die Menge allein, sondern wo die Endometrioseherde sitzen, zählt.
  • Endometriosezysten: Größe, ein- oder beidseitig, und ob bereits operiert wurde
  • Durchgängigkeit der Eileiter: zentral für die Frage, ob eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg eintreten kann. Bei verschlossenen Eileitern ist das nicht möglich.
  • Eierstockreserve: besonders nach Operationen am Eierstock
  • Frühere Operationen und wie viel Gewebe dabei erhalten werden konnte
  • Zyklus und Eisprung: Findet regelmäßig ein Eisprung statt?
  • Weitere Faktoren wie Schilddrüse, Gewicht, Myome oder Polypen.
  • Befund des Partners: Endometriose schließt nicht aus, dass beim Mann eine zusätzliche Ursache für den unerfüllten Kinderwunsch besteht.

Welche Untersuchungen sind bei Endometriose und Kinderwunsch sinnvoll?

Gynäkologische Untersuchung und spezialisierter Ultraschall

Am Anfang stehen ein ausführliches Gespräch und die gynäkologische Untersuchung. Schon der Tastbefund kann Hinweise auf Verwachsungen und schmerzhafte Stellen geben.

Das wichtigste diagnostische Verfahren ist jedoch der hochauflösende vaginale Ultraschall. Er zeigt Endometriosezysten, Hinweise auf eine Adenomyose und ggf. auch tief sitzende Herde. Vor allem die Herde am Bauchfell sind im Ultraschall jedoch nicht sichtbar. Ein unauffälliger Ultraschall schließt eine Endometriose also nicht aus.

Beurteilung der Eierstöcke und der Eierstockreserve

Hier zählen zwei Bausteine. Ein Ultraschall beurteilt die Eierstöcke direkt. Ergänzend kann der AMH-Wert im Blut bestimmt werden.

Der AMH-Wert gibt einen Anhaltspunkt für die Menge der noch vorhandenen Eizellen. Über die Qualität der Eizellen sagt er nichts aus. Ein niedriger Wert schließt eine Schwangerschaft nicht aus, ein guter Wert ist keine Garantie. Für die Planung ist er trotzdem nützlich, besonders nach Operationen am Eierstock.

Untersuchung der Eileiter

Ob die Eileiter durchgängig sind, entscheidet mit darüber, ob eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg eintreten kann. Im Falle eines Eileiterverschlusses ist dies nämlich nicht möglich. Die Prüfung der Eileiterdurchgängigkeit kann mit zwei Techniken erfolgen:

  • Ultraschall-Kontrastmitteldarstellung: Dabei wird eine Flüssigkeit in die Gebärmutter gegeben, die im Ultraschall sichtbar ist. Die Untersuchung kann lediglich zeigen, ob diese Flüssigkeit durch die Eileiter fließt, und bringt nicht immer ein eindeutiges Ergebnis.
  • Bauchspiegelung mit Durchspülung der Eileiter: Hier wird die Durchgängigkeit direkt und eindeutig geprüft. Gleichzeitig lässt sich feststellen, ob eine Endometriose und/oder Verwachsungen vorliegen. Endometriosegewebe kann dann direkt entfernt werden. Auch Myome, Polypen oder andere anatomische Veränderungen können mit dieser Methode klar identifiziert und ggf. operiert werden.

Welches Verfahren für die Patientin sinnvoll ist, hängt vom individuellen Befund ab. Die Durchgängigkeit der Eileiter muss geprüft werden, wenn eine Behandlung geplant ist, deren Erfolg von durchgängigen Eileitern abhängt.

Zyklus und Eisprung

Endometriose geht nicht zwangsläufig mit Zyklusstörungen einher, kann aber gemeinsam mit ihnen auftreten. Im Erstgespräch in der Kinderwunschpraxis München Nord klären wir, ob es Hinweise auf Zyklusstörungen gibt, etwa sehr unregelmäßige oder ausbleibende Blutungen sowie Zwischenblutungen. Nur wenn solche Hinweise bestehen, ist eine ausführliche Zyklusdiagnostik sinnvoll: Hormonbestimmungen im Blut und Ultraschall zeigen dann, ob ein Eisprung stattfindet.

Untersuchung des Partners

Eine Endometriose ist kein Grund, die Untersuchung des Partners aufzuschieben. Bei etwa einem Drittel der Paare mit unerfülltem Kinderwunsch ist ein männlicher Faktor beteiligt, unabhängig vom Befund der Frau. In der Kinderwunschpraxis München Nord untersuchen wir deshalb immer beide Partner.

Wann kann eine Bauchspiegelung sinnvoll sein?

Die definitive Diagnose Endometriose kann nur durch den feingeweblichen (histologischen) Nachweis von Endometriosegewebe gesichert werden. Dieses Gewebe kann man nur im Rahmen einer OP gewinnen, also bei einer Bauchspiegelung (Laparoskopie/LSK).

Ergibt sich bei der Anamnese und dem Ultraschall der Verdacht auf eine Endometriose, wird deshalb meist zu einer Bauchspiegelung geraten. Sie erfüllt mehrere Zwecke:

  • Sicherung der Diagnose Endometriose
  • eindeutige Prüfung der Durchgängigkeit der Eileiter
  • direkte Entfernung von Endometriosegewebe und dadurch Linderung der Beschwerden für einen Teil der Frauen

Wann ein Eingriff am besten in die Kinderwunschplanung passt, hängt von den Beschwerden, dem Alter und den übrigen Befunden ab.

Kann man mit Endometriose auf natürlichem Weg schwanger werden?

Ja, für viele Frauen ist das ein realistischer Weg. Gute Voraussetzungen dafür sind durchgängige Eileiter, ein regelmäßiger Eisprung, ein unauffälliges Spermiogramm des Partners und eine Endometriose ohne ausgeprägte Verwachsungen.

Viele Frauen fragen sich dann: Wie lange sollte ich es auf natürlichem Weg versuchen? Eine allgemeingültige Zeitspanne gibt es dafür nicht. Eine 28-Jährige mit unauffälligen Befunden hat eine gänzlich andere Ausgangslage als eine 38-Jährige nach beidseitiger Zystenoperation. Ausschlaggebend sind das Alter, die bisherige Dauer des Kinderwunsches, der Befund der Eileiter und die Eierstockreserve, sowie der Spermiogrammbefund des Partners. Je mehr davon günstig ausfällt, desto eher ist Abwarten vertretbar. Kommen mehrere ungünstige Faktoren zusammen, ist eine weiterführende Abklärung und ggf. zeitnahe Kinderwunschbehandlung sinnvoll.

Wann ist bei Endometriose eine Kinderwunschbehandlung sinnvoll?

Eine Kinderwunschbehandlung ist kein Muss bei Endometriose. Sie kommt zum Beispiel infrage,

  • wenn der Eintritt einer Schwangerschaft auf natürlichem Wege über längere Zeit ausbleibt,
  • wenn die Eileiter verschlossen sind,
  • wenn weitere Ursachen für Unfruchtbarkeit vorliegen,
  • wenn Alter und Zeitfaktor gegen längeres Abwarten sprechen
  • oder wenn eine Operation bereits ohne Erfolg geblieben ist.

Grundlage für die Entscheidung ist die abgeschlossene Fruchtbarkeitsuntersuchung beider Partner.

Wann kann eine Operation sinnvoll sein?

Bei einer Bauchspiegelung werden die Endometrioseherde entfernt, Verwachsungen gelöst und die Durchgängigkeit der Eileiter geprüft. Die Bauchspiegelung wird häufig mit einer Gebärmutterspiegelung kombiniert.

Wenn eine Operation notwendig ist, sollte sie möglichst gründlich und in einem spezialisierten Zentrum erfolgen. Wiederholte Eingriffe bringen nicht automatisch zusätzlichen Nutzen, können aber weiteres gesundes Gewebe schädigen. Das gilt insbesondere für Operationen am Eierstock, bei denen Eierstockreserve verloren gehen kann.

Das Team der Kinderwunschpraxis München Nord operiert nicht selbst. Wenn ein Eingriff sinnvoll ist, arbeiten wir mit darauf spezialisierten Partnern in München zusammen. Zeitpunkt und Vorgehen stimmen wir vorher mit Ihnen ab.

Wann kann eine IVF sinnvoll sein?

Bei einer IVF werden Eizellen nach hormoneller Stimulation entnommen und im Labor mit Spermien zusammengebracht. Ein so entstandener Embryo wird anschließend in die Gebärmutter übertragen.

In bestimmten Konstellationen ist die IVF der Weg mit den besten Aussichten, weil die Befruchtung außerhalb des Körpers stattfindet und der Embryo im Rahmen des Embryotransfers unter Umgehung der Eileiter direkt und sicher in der Gebärmutterhöhle abgesetzt wird. Durchgängigkeit und Transportfunktion der Eileiter spielen dann keine Rolle. Infrage kommt eine IVF vor allem bei verschlossenen Eileitern und wenn eine Schwangerschaft trotz durchgängiger Eileiter über längere Zeit ausbleibt.

Wann kann eine ICSI sinnvoll sein?

Bei der ICSI wird ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle eingebracht. Die ICSI kommt bei einer eingeschränkten Spermienqualität zum Einsatz. Sie ist keine Behandlung speziell bei einer Endometriose-Diagnose.

Sinnvoll ist eine ICSI, wenn zusätzlich ein männlicher Faktor vorliegt, etwa eine deutlich eingeschränkte Spermienzahl oder -beweglichkeit. Auch wenn es in einem vorangegangenen IVF-Zyklus nicht zur Befruchtung kam, kann eine ICSI sinnvoll sein. Allein wegen einer Endometriose ist sie nicht erforderlich.

Endometriosezysten und Kinderwunsch

Kann man mit einer Endometriosezyste schwanger werden?

Ja. Eine Endometriosezyste verhindert den Eisprung in der Regel nicht. Viele Frauen werden mit einem bestehenden Endometriom schwanger, auf natürlichem Weg ebenso wie im Rahmen einer Behandlung.

Für die Einschätzung zählt der Eierstock als Ganzes:

  • Wie viel gesundes Gewebe ist vorhanden?
  • Ist nur eine Seite betroffen?
  • Wie groß ist die Eierstockreserve?

Eine kleine Zyste ohne Wachstumstendenz bei guter Reserve ist eine gänzlich andere Ausgangslage als große Endometriome an beiden Eierstöcken nach zwei Voroperationen.

Muss eine Endometriosezyste vor einer Schwangerschaft entfernt werden?

Nein, nicht grundsätzlich. Früher wurde häufiger operiert, heute wird sorgfältiger abgewogen. Nach aktueller Datenlage verbessert die Entfernung die Chance auf eine Geburt im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung nicht. Dabei geht jedoch Eierstockgewebe verloren.

In die Entscheidung gehen ein:

  • Größe und Lage der Zyste, auch ob sie die Eizellentnahme erschweren würde
  • Beschwerden, vor allem Schmerzen, die sich anders nicht ausreichend behandeln lassen
  • vorherige Operationen am selben oder am anderen Eierstock
  • die Eierstockreserve
  • das Alter der Frau

Lässt sich eine Zyste im Ultraschall nicht eindeutig als Endometriom einordnen, kann eine Operation mit Gewebeanalyse Klarheit schaffen und andere Ursachen der Zystenbildung ausschließen. In diesem Fall geht es um die histologische Diagnose, nicht um die Verbesserung der Fruchtbarkeit.

Schwanger nach Zystenentfernung: Wie geht es weiter?

Nach einer Zystenentfernung ist eine Schwangerschaft möglich. Für einen Teil der Frauen verbessert sich die Situation sogar deutlich. Sinnvoll ist trotzdem, die Fruchtbarkeit nach dem Eingriff neu zu beurteilen.

Im Mittelpunkt steht die Eierstockreserve, besonders nach beidseitiger Operation oder einem Zweiteingriff. Ultraschall und AMH-Wert zeigen, wie groß die Eierstockreserve nach der Operation noch ist. Zusammen mit dem Alter und der Dauer des Kinderwunsches lässt sich dann entscheiden: Ist ein Versuch auf natürlichem Weg über einen festgelegten Zeitraum sinnvoll, oder ist eine Kinderwunschbehandlung der nächste Schritt?

Was kann ich selbst tun, wenn ich mit Endometriose schwanger werden möchte?

Gezielt lässt sich eine durch Endometriose beeinträchtigte Fruchtbarkeit nicht verbessern. Es gibt keine Ernährungsform, kein Präparat und keine einzelne Maßnahme, die das leisten könnte. Das gilt ausdrücklich auch für Versprechen, die Eizellqualität zu verbessern: Die Qualität der Eizellen lässt sich nicht gezielt steigern. Nahrungsergänzungsmittel beeinflussen nach aktuellem Wissensstand nicht, ob eine Schwangerschaft eintritt.

Sinnvoll ist es aber, möglichst gute Voraussetzungen zu schaffen:

  • Rauchen aufhören: Rauchen ist der Lebensstilfaktor mit dem deutlichsten Einfluss auf die Fruchtbarkeit bei Frauen und Männern.
  • Ausgewogene Ernährung und stabiles Gewicht: Deutliches Über- oder Untergewicht kann den Zyklus stören.
  • Regelmäßige, moderate Bewegung: Wirkt sich günstig auf den Zyklus aus und hilft vielen Frauen, Schmerzen und Belastung besser zu bewältigen.
  • Behandlung der Schmerzen: Eine gute Schmerztherapie verbessert die Lebensqualität und macht regelmäßigen Geschlechtsverkehr oft erst wieder möglich.
  • Unterstützung suchen: Bei Endometriose gibt es etablierte Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen.
  • Folsäure einnehmen: als allgemeine Schwangerschaftsvorsorge, idealerweise schon einige Wochen vorher. Auf die Fruchtbarkeit selbst hat Folsäure keinen Einfluss.

Wie verändert sich Endometriose während der Schwangerschaft?

Es hält sich ein Mythos, dass eine Schwangerschaft die Endometriose heile. Das ist allerdings nicht der Fall.

Die hormonelle Situation verändert sich grundlegend durch eine Schwangerschaft. Die Regelblutung setzt aus und viele Frauen erleben dadurch eine deutliche Besserung der Symptome. Andere spüren keinen Unterschied. Manche berichten von neuen Beschwerden, etwa weil die wachsende Gebärmutter an bestehenden Verwachsungen zieht.

Nach Schwangerschaft und Stillzeit kehren die Beschwerden häufig zurück, sobald der Zyklus wieder einsetzt. Eine Schwangerschaft bedeutet also für einen Teil der Frauen eine Pause. Eine Behandlung der Endometriose ist eine Schwangerschaft nicht.

Schwanger mit Endometriose: Welche Komplikationen sind möglich?

Die allermeisten Schwangerschaften bei Endometriose verlaufen unauffällig und enden mit der Geburt eines gesunden Kindes.

Einige Komplikationen treten bei Frauen mit Endometriose statistisch etwas häufiger auf: Eine Auswertung mehrerer Beobachtungsstudien (Breintoft et al.) fand ein etwa anderthalbfach erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt und für einen Kaiserschnitt sowie ein leicht erhöhtes Risiko für eine Präeklampsie. Etwa dreimal so häufig war eine Plazenta praevia, bei der die Plazenta ungünstig tief sitzt. Fachgesellschaften nennen zusätzlich ein erhöhtes Risiko für eine Fehlgeburt im ersten Schwangerschaftsdrittel und für eine Eileiterschwangerschaft.

Wichtig zu beachten: Dabei handelt es sich um relative Risiken, die sich zum Teil auf ohnehin seltene Ereignisse beziehen. Eine Plazenta praevia tritt bei etwa drei bis fünf von 1.000 Schwangerschaften auf. Auch ein dreifach erhöhtes Risiko bleibt also niedrig. Die Fachgesellschaften halten ausdrücklich fest, dass diese Befunde keine grundsätzlich intensivere Überwachung in der Schwangerschaft rechtfertigen.

Was bedeutet Endometriose für die Schwangerschaftsvorsorge?

Im Regelfall reicht die übliche Schwangerschaftsvorsorge aus. Zusätzliche Untersuchungen sind allein wegen einer Endometriose nicht notwendig. Sinnvoll ist es, die Endometriose beim ersten Termin anzusprechen, besonders nach Operationen oder bei tief sitzenden Herden an Darm oder Harnleiter. Ob im Einzelfall zusätzliche Kontrollen sinnvoll sind, entscheidet die Frauenärztin oder der Frauenarzt.

Wann sollte ich mit Endometriose eine Kinderwunschpraxis aufsuchen?

Ein Termin in einer Kinderwunschpraxis ist sinnvoll, wenn

  • Sie seit längerer Zeit trotz regelmäßigen Geschlechtsverkehrs nicht schwanger werden,
  • eine Endometriose bekannt ist und Sie in absehbarer Zeit schwanger werden möchten,
  • bei Ihnen eine Endometriosezyste festgestellt wurde,
  • Sie bereits wegen Endometriose operiert wurden oder
  • Sie unsicher sind, welcher nächste Schritt für Sie der richtige ist.

Bei Endometriose gibt es keinen einheitlichen Weg zur Schwangerschaft. Eine individuelle Untersuchung hilft, Ihre Situation einzuordnen und den nächsten Schritt zu planen, statt auf gut Glück zu warten. Das gilt besonders, wenn das Alter eine Rolle spielt: Je früher Ihre Situation geklärt ist, desto mehr Möglichkeiten stehen offen.

Häufig gestellte Fragen zu Endometriose und Schwangerschaft

Kann man mit Endometriose auf natürlichem Weg schwanger werden?

Ja. Viele Frauen mit Endometriose werden ohne medizinische Unterstützung schwanger. Günstige Voraussetzungen sind vor allem durchgängige Eileiter, ein regelmäßiger Eisprung und ein unauffälliges Spermiogramm beim Partner.

Wie lange dauert es, mit Endometriose schwanger zu werden?

Dafür gibt es keine allgemeingültige Zeitspanne. Wie lange Abwarten sinnvoll ist, hängt von Alter, Dauer des Kinderwunsches, Befund der Eileiter und von der Eierstockreserve ab. Eine individuelle Abklärung hat deshalb die größte Aussagekraft.

Muss Endometriose vor einer Schwangerschaft operiert werden?

Nicht in jedem Fall. Bei Verdacht auf Endometriose wird meist zu einer Bauchspiegelung geraten. Sie kann die Diagnose sichern und gleichzeitig die Durchgängigkeit der Eileiter prüfen. Dabei kann Endometriosegewebe direkt entfernt werden.

Kann man mit einer Endometriosezyste schwanger werden?

Ja. Eine solche Zyste verhindert den Eisprung in der Regel nicht. Für die Planung zählt, wie der betroffene Eierstock insgesamt beurteilt wird, vor allem die Eierstockreserve.

Kann ich nach einer Zystenentfernung schwanger werden?

Ja. Sinnvoll ist, die Eierstockreserve nach dem Eingriff neu zu beurteilen, besonders nach Operation an beiden Eierstöcken oder nach einem Zweiteingriff. Davon hängt ab, ob ein Versuch auf natürlichem Weg sinnvoll ist oder eine Kinderwunschbehandlung den besseren nächsten Schritt darstellt.

Ist eine Schwangerschaft mit Endometriose automatisch eine Risikoschwangerschaft?

Nein. Die meisten Schwangerschaften bei Endometriose verlaufen unauffällig. Einzelne Risiken wie Frühgeburt oder eine tief sitzende Plazenta treten statistisch etwas häufiger auf, bleiben aber selten. Eine grundsätzlich intensivere Überwachung ist deshalb nicht notwendig.

Quellen:

Becker CM et al.: ESHRE guideline: endometriosis. Human Reproduction Open 2022; 2022(2): hoac009. DOI: 10.1093/hropen/hoac009

S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Endometriose, AWMF-Registernummer 015-045, Stand 2025

Breintoft K, Pinnerup R, Henriksen TB, Rytter D, Uldbjerg N, Forman A, Arendt LH: Endometriosis and Risk of Adverse Pregnancy Outcome: A Systematic Review and Meta-Analysis. Journal of Clinical Medicine 2021; 10(4): 667. DOI: 10.3390/jcm10040667

Informationsportal Kinderwunsch des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Endometriose und Kinderwunsch

Cresswell JA, Ronsmans C, Calvert C, Filippi V: Prevalence of placenta praevia by world region: a systematic review and meta-analysis. Tropical Medicine & International Health 2013; 18(6): 712–724. DOI: 10.1111/tmi.12100

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